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Chak De! India - Go! India

Discussion in 'Deutsch' started by Flowergirl, Nov 6, 2007.

  1. Flowergirl

    Flowergirl Ullu-Club-Member

    CHAK DE! INDIA – GO! INDIA
    von frida | Düsseldorf | 146 mal gelesen
    Shahrukh Khan brilliert als Trainer der indischen Frauenhockey-Mannschaft, und die beweist, was in ihr steckt. Ein Bollywood-Filmtipp von frida.
    CHAK DE! INDIA ist zwar ein Film aus den Bollywood-Studios, er ist aber kein typischer Bollywood-Film. Und mit CHAK DE! INDIA beweist Shahrukh Khan endgültig, dass er auch in den ernsteren Rollen angekommen ist. Aber CHAK DE! INDIA ist nicht einmal ein nur auf Shahrukh Khan zugeschnittener Film. Die Hockeyspielerinnen, allesamt Newcomer im indischen Film, stehen dem übergroßen Star des indischen Kinos ebenbürtig zur Seite.

    In CHAK DE! INDIA gibt es zwar Musik, aber weder Tanz noch Gesang. Und es gibt zwar ein Happy End, aber keine Lovestory. Alles dieses hätte in diesem Film nicht gepasst.

    CHAK DE! INDIA ist vordergründig ein überaus schnittiger Sportfilm, hintergründig befasst er sich auf ebenso unterhaltsame wie ernste Weise mit verschiedenen indischen Befindlichkeiten im Jahre 2007.

    Kabir Khan (Shahrukh, der hier zum ersten Mal in seiner Karriere in einer Hauptrolle einen Moslem spielt) war in einem früheren Leben Hockeynationalspieler, der (!) Hockeynationalspieler. Als er in einem entscheidenden Spiel gegen Pakistan ein Tor verschießt und Indien verliert, wird er als Landesverräter diffamiert, was zum jähen Ende seiner Sportskarriere führt. Kabir verschwindet von der Bildfläche und taucht 7 Jahre später wieder auf, um sich als Trainer für die absolut erfolglose und von den Sportfunktionären miss-und verachtete Frauennationalmannschaft anzudienen. Er will die Frauen trainieren und diese so zum Gewinn des Worldcup führen. Da sonst niemand diesen undankbaren Posten haben möchte, wird er akzeptiert. Ein Versager, der Versagerinnen trainieren will.

    Die jungen Frauen, ausgewählt aus den besten Hockeymannschaften des Landes, bilden ein buntes Sammelsurium aller möglichen indischen Bundesstaaten und Mentalitäten. So bunt wie Indien und so unterschiedlich in den Mentalitäten, Gebräuchen und Sprachen, so bunt und unterschiedlich setzt sich auch diese Mannschaft zusammen. Da steht die schnell aufbrausende Punjabi neben den beiden Südinderinnen, von denen die eine weder Hindi noch Englisch versteht. Da trifft die junge Ehrgeizige aus dem Armenhaus Haryana auf die mittelständischen Mädchen aus den Großstädten.

    Die jungen Frauen eint lediglich der Ehrgeiz, Hockey zu spielen, sonst überhaupt nichts. Es herrscht Missgunst, Unverständnis für die andere und mehr oder minder offener Rassismus untereinander. Das Training und das Zusammenspiel funktioniert nicht, weil jede nur sich und nie die Mannschaft sieht.

    Kabir versucht zunächst, diese Mentalität mit harter Disziplin und überhartem Training zu brechen. Er appelliert an das „Wir sind doch zuallerst alle Inder“-Gefühl, aber es funktioniert nicht. Ein Mädchen, die zu den älteren und den erfahrendsten Hockeyspielerinnen zählt, opponiert offen gegen ihn, zumal als er ein anderes Mädchen zur Kapitänin macht, und schafft es, die anderen auf ihre Seite zu ziehen. Kabir soll gehen. Bei einem letzten gemeinsamen Essen in einem Schnellrestaurant passiert jedoch etwas unerwartetes: Als die beiden mongolisch-chinesisch aussehen Spielerinnen (mal wieder) belästigt werden, setzen sich nicht nur diese zur Wehr, sondern mit ihnen die gesamte Gruppe – die Spielerinnen handeln zum allersten Mal solidarisch. Die Wende tritt ein: Kabir bleibt Trainer und schafft es sogar, mit einem denkwürdigen Spiel gegen die Männerauswahl die Frauenmannschaft zum Worldcup, der in Australien ausgetragen wird, zu bringen.

    Natürlich muss die indische Frauenhockeymannschaft während des Worldcups einige Prüfungen bestehen, aber am Ende, als sie im Endspiel gegen Australien stehen, zeigt jede, was sie gelernt hat, um als Gemeinschaft bestehen und gewinnen zu können.

    Regisseur Shamit Amin hat aus CHAK DE! INDIA keine Lehrstunde über Hockey gemacht, sondern eine höchst unterhaltsame Lehrstunde über die immer noch sehr nachrangige Stellung der indischen Frau, über inner-indischen Rassismus und wie solches mit Gemeinschaftssinn zu überwinden ist.

    Die anhaltenden Animositäten und das Misstrauen zwischen Moslems und Hindus im Kopf wundert es nicht, dass der Moslem Kabir Khan von der Hindu-Öffentlichkeit derart drastisch abgestraft wird. Ein Spion Pakistans zu sein, hätte sich ein Hindu sicherlich nicht vorwerfen lassen müssen.

    Auch die jungen Frauen untereinander verhalten sich gnadenlos unverständig und rücksichtslos. Die Punjabi (obwohl die Punjabis selbst in Indien als etwas „einfach gestrickt“ belächelt werden) macht sich über die angeblich so rückständigen Südinderinnen unverhohlen lustig. Die beiden Stürmerinnen – mittelständisch geprägt die eine, aus armen Verhältnissen die andere – schaffen es bis vor dem letzten Spiel nicht, ihren Egoismus zu überwinden und sich zum Wohl der Mannschaft gegenseitig die Pässe zuzuspielen.
    Der Trainer plädiert stattdessen gegen den regionalen Egoismus und für die nationale Einheit. Nur diese führt ja am Ende auch zum erfolgreich erreichten Ziel. Für uns westliche Zuschauer mag das das eine oder andere Mal ein wenig indischer Nationalstolz zuviel sein, aber offensichtlich ist dies auf diesem so unterschiedlichem Subkontinent eine nicht nur programmatische Notwendigkeit.

    Alle Frauen zusammen unterliegen außerdem der anhaltenden Frauenverachtung, und zwar nicht nur der im Sport. Natürlich lässt der Funktionär solche Sprüche los wie „Indische Frauen sind dafür da zu kochen und den Haushalt zu versorgen“, aber auch die Familien der Frauen sehen die Sportaktivitäten mit äußerster Skepsis. Die einzige verheiratete Frau in der Mannschaft soll unbedingt zu einer Hochzeit erscheinen, um ihren Ehemann nicht zu blamieren. Eine andere Spielerin, die mit einem Cricket-Star zusammen ist, bekommt dessen deutliche Missachtung ihrer Leistung und ihres Tuns zu spüren.
    Trainer Kabir Khan hält vor einem sehr entscheidenden Spiel eine programmatische Rede über das, was Frauen können und können sollen. Er ermutigt seine Spielerinnen, unbedingt ihren Weg selbstbewusst als Frau zu gehen, und dies ist nicht nur auf das Hockey spielen bezogen. Am Ende des Films erleben wir denn auch in ihrem Selbstbewusstsein gestärkte junge Frauen, die sich sicherlich nicht mehr so leicht unterbuttern lassen werden. Die jungen Frauen im indischen Filmpublikum werden es sicherlich gern gehört und gesehen haben, zumal die Worte von Shahrukh transportiert werden.

    Wie eingangs bereits erwähnt, ist CHAK DE! INDIA kein Shahrukh Khan-Starvehikel, sondern eine veritable Ensembleleistung, in die sich Superstar Shahrukh professionell und sehr bescheiden einfügt. Kein overacting, sondern angenehme Zurückhaltung zeichnet sein Spiel aus. Er lässt seinen Mitspielerinnen genau die richtig zugemessene Luft zum Atmen, die dieser Film braucht, um ein sehr guter Spielfilm zu sein. Natürlich sieht er auch noch als gebeutelter Trainier (diesmal ungewohnt mit Bart) gut aus, aber in welchem Film sah Shahrukh mal nicht gut aus?

    Die jungen Frauen sind allesamt hervorragend gecastet worden. Jede passt wie angegossen in die ihr zugedachte Rolle. Es macht Spaß zu sehen , wie unbefangen diese jungen unverbrauchten Gesichter neben und mit dem Superstar aufspielen. Man wünscht sich, diese Gesichter demnächst öfter mal wiederzusehen.

    Die Kameraführung und der Schnitt stehen einem westlichen Sport-Film in nichts nach. Hockey ist ein schnelles Spiel und genauso schnell kommen auch die Spielszenen rüber. Man muss auch nichts über Hockey wissen, um sich von der Spielspannung anstecken zu lassen.
    Die Musik unterlegt zusätzlich mit einem techno-rockig getriebenen Pop das Geschehen. Tanzende und singende Hockeyspielerinnen wären hier auch gänzlich unangebracht gewesen.

    CHAK DE! INDIA ist ein sehr sehenswerter vielschichtiger dramatisch-unterhaltsamer Film, der über das Thema Sport wichtige Botschaften von Toleranz, Gemeinsinn und Menschlichkeit transportiert, wobei sicherlich kein Zufall ist, dass man sich ausgerechnet Frauen im Sport dazu ausgesucht hat.
    Dem westlichen Zuschauer sei hierbei ins Gedächtnis gerufen, dass Frauenfussball in Deutschland bis 1970 verboten war, mit jeder Menge Altherren-Argumente, mit denen die selbst-herrlichen Funktionäre des DFB sich u.a. nicht entblödeten, sich um die gefährdete Gebärfähigkeit der Spielerinnen zu sorgen, wenn diese einmal einen Ball in den Unterleib bekämen...

    Ich sah CHAK DE! INDIA in einer Spezialvorstellung im Kino. Der Film ist ab 15.02.2008 auf DVD im Handel erhältlich.

    CHAK DE! INDIA – GO! INDIA, Indien 2007, Regie: Shimit Amin, ca. 142 Minuten


    Quelle: http://www.rp-online.de/hps/client/...tegory=::pjsub::opinio::/buch_film/kino/drama
     
  2. sanjani

    sanjani Ullu-Club Member

    Vielen Dank, Kira! :)
    Habe das schon gelesen und überlegt ob ich es posten soll,
    aber da das Ganze eher ein Leserbrief ist,
    habe ich mich nicht getraut... :eek:
     

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